Alte Währungen üben bis heute eine Faszination aus. Vielleicht hast du bei der Wohnungsauflösung oder im Familiennachlass ein Bündel Reichsmark gefunden und fragst dich, welchen Wert dieses Geld heute haben könnte. In diesem Beitrag führe ich dich Schritt für Schritt durch die Geschichte der Reichsmark, erkläre die Umrechnung in Euro und stelle dir einen praktischen Rechner zur Verfügung.
Übersicht
Reichsmark-in-Euro Rechner
Um einen historischen Betrag besser einordnen zu können, findest du auf dieser Seite einen interaktiven Rechner. Er übersetzt Reichsmark-Beträge in einen heutigen Euro-Vergleichswert. Die Berechnung basiert auf einem festen Kaufkraftfaktor und liefert einen ungefähren Richtwert. Der Rechner berücksichtigt auf Wunsch auch das Bezugsjahr, denn die Kaufkraft schwankte zwischen den 1920er- und 1940er-Jahren erheblich.
Der Rechner ersetzt keine numismatische Bewertung, sondern gibt dir lediglich eine Vorstellung davon, wie viel Kaufkraft ein bestimmter Reichsmark-Betrag heutzutage hätte. Du kannst damit experimentieren, indem du entweder einen Reichsmark-Betrag eingibst oder einen Euro-Wert rückwärts rechnest.
Dieser Rechner liefert einen näherungsweisen heutigen Vergleichswert für Reichsmark-Beträge.
Standardmäßig wird mit einem pauschalen Richtwert gerechnet. Auf Wunsch kannst du zusätzlich
ein Bezugsjahr einbeziehen.
Reichsmark in heutigen Euro-Wert umrechnen
Kurze Geschichte der Reichsmark
Die Reichsmark wurde im November 1924 eingeführt, nachdem die vorherige Papiermark durch die Hyperinflation nahezu wertlos geworden war. Mit der neuen Währung sollte Stabilität in das deutsche Geldsystem zurückkehren. Die Reichsbank legte den Wert der Reichsmark an den Goldstandard und brachte parallel zur Übergangsmark („Rentenmark“) die neue Währung heraus. Fortan war die Reichsmark das Zahlungsmittel in der Weimarer Republik und blieb es bis zur Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg.

Werteverlauf
In den ersten Jahren war die Kaufkraft der Reichsmark relativ hoch: Für eine Mark erhielt man deutlich mehr Ware als noch kurz vor der Währungsreform. Mit der globalen Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre und den Belastungen des Zweiten Weltkriegs verschlechterte sich das Verhältnis von Geldwert und Preisniveau jedoch kontinuierlich. Die Kaufkraft sank schrittweise, was sich in späteren Jahren auch in den Kaufkraftäquivalenten widerspiegelt. Ein Betrag, der 1925 einem Wert von knapp fünf Euro entsprach, war 1947 nur noch rund vier Euro wert.
Währungsreform 1948
Am 20. Juni 1948 ersetzten die westlichen Besatzungsmächte die Reichsmark durch die Deutsche Mark. Dieser Umbruch verlief in mehreren Stufen. Zunächst erhielt jeder Bürger einen Startbetrag von 60 Deutsche Mark (zwei Tranchen zu 40 und 20 DM), der im Verhältnis 1 : 1 zu den alten Löhnen und Renten ausgezahlt wurde. Bankguthaben, Forderungen und Schulden wurden dagegen radikal entwertet: Aus zehn Reichsmark wurden eine Deutsche Mark, wobei ein Teil des Geldes auf Sperrkonten landete und später nur begrenzt ausgezahlt werden durfte. Die Reform verringerte die Geldmenge und legte die Grundlage für die wirtschaftliche Erholung im Westen. In der sowjetischen Besatzungszone blieb die Reichsmark zunächst bestehen und wurde kurz darauf zur „Mark der Deutschen Notenbank“ umbenannt.
Tabelle: Reichsmark in Euro in verschiedenen Jahren
Die Deutsche Bundesbank ermittelt für historische Währungen sogenannte Kaufkraftäquivalente. Diese Kennzahlen zeigen, wie viel ein Geldbetrag aus der Vergangenheit in heutigen Euro entspricht, wenn man die Preisentwicklung berücksichtigt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Kaufkraft einer Reichsmark in verschiedenen Jahren (bezogen auf den Euro im Jahresdurchschnitt 2025). Je niedriger der Euro-Wert, desto stärker ist die Kaufkraft der Reichsmark gesunken.
| Jahr | 1 RM ≈ Euro |
|---|---|
| 1924 | 5,10 € |
| 1925 | 4,70 € |
| 1926 | 4,60 € |
| 1927 | 4,50 € |
| 1928 | 4,40 € |
| 1929 | 4,30 € |
| 1930 | 4,50 € |
| 1931 | 4,80 € |
| 1932 | 5,50 € |
| 1933 | 5,60 € |
| 1934 | 5,50 € |
| 1935 | 5,40 € |
| 1936 | 5,30 € |
| 1937 | 5,30 € |
| 1938 | 5,20 € |
| 1939 | 5,20 € |
| 1940 | 5,10 € |
| 1941 | 5,00 € |
| 1942 | 4,80 € |
| 1943 | 4,80 € |
| 1944 | 4,70 € |
| 1945 | 4,60 € |
| 1946 | 4,20 € |
| 1947 | 3,90 € |
| 1948 (1. Halbjahr) | 3,70 € |
Altschulden in Reichsmark: Wie wurden sie umgerechnet?
Viele Menschen fragten sich 1948, was mit ihren Schulden und Spareinlagen passieren würde. Die Währungsreform unterschied klar zwischen laufenden Einkommen und Vermögen. Vertragliche Verpflichtungen wie Löhne oder Renten wurden im Verhältnis eins zu eins in die neue Währung überführt. Bankguthaben, Darlehen und sonstige Forderungen wurden hingegen drastisch reduziert: Zehn Reichsmark wurden zu einer Deutschen Mark. Ein Teil des Guthabens wanderte auf sogenannte Festkonten und war erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar. Offene Restbeträge, die den Umstellungsbetrag überstiegen, wurden häufig gestrichen. Dies führte dazu, dass viele Schulden de facto erlassen wurden, während Spareinlagen erheblich an Wert verloren.
Historische Umrechnung von Reichsmark in Deutsche Mark
Die Umstellung im Westen war nicht die einzige Währungsumrechnung, die Reichsmark-Besitzer durchliefen. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Reichsmark kurz nach der Reform zur „Mark der Deutschen Notenbank“ erklärt und im Verhältnis 1 : 1 getauscht. Diese Währung bildete die Grundlage für die später eingeführte Mark der DDR. Erst mit der deutsch-deutschen Währungsunion am 1. Juli 1990 wurden DDR-Mark in Deutsche Mark umgerechnet. Auch hier galten unterschiedliche Sätze: Löhne und kleine Sparbeträge bis zu 4.000 Mark pro Person wurden eins zu eins umgetauscht, höhere Beträge und langfristige Verpflichtungen erhielten die Quote 2 : 1. Spekulativ angelegtes Kapital wurde sogar 3 : 1 umgerechnet. Diese Regelungen hatten zum Ziel, soziale Gerechtigkeit herzustellen und gleichzeitig die Wirtschaft im Osten zu stabilisieren.
Sammlerwert berücksichtigen
Abseits der offiziellen Umtauschkurse spielt der Sammlerwert eine Rolle. Ob Münze, Schein oder Briefmarke – der Wert ergibt sich aus Zustand, Seltenheit, Material und historischem Kontext. Eine stark abgegriffene 5‑Reichsmark-Münze erzielt im Handel vielleicht nur 20 bis 50 Euro. Ein gut erhaltenes Silberstück oder eine seltene Prägung kann dagegen zwischen 70 und 150 Euro kosten. Noch höher steigen die Preise für „Proof“-Ausgaben oder Varianten mit niedrigen Auflagen; vereinzelt erreichen solche Raritäten vierstellige Beträge bei Auktionen. Bei Banknoten gelten ähnliche Maßstäbe: Unzirkulierte Scheine aus seltenen Serien sind deutlich wertvoller als häufige, abgegriffene Exemplare.
Wenn du den Wert deiner Reichsmark ermitteln möchtest, lohnt sich ein Blick in numismatische Kataloge oder der Gang zu einem Experten. Es gibt keine offizielle Umtauschmöglichkeit bei Banken, und der Preis wird vom Sammlermarkt bestimmt. Achte besonders bei Münzen mit NS-Symbolik auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, da der Handel hier streng reguliert ist.
